Bereits heute leiden viele Städte und Agglomerationen unter sommerlicher Hitze, Wasserknappheit in Trockenphasen und Überschwemmungen bei lokalen Starkregen. Dies sind bloss erste Vorboten des Klimawandels. Gemäss den Klimaszenarien für die Schweiz ist bereits Mitte dieses Jahrhunderts mit einem massiven Anstieg der Höchsttemperaturen zu rechnen (+2,5 bis +4,5 °C). Im Sommer sind intensivere und länger andauernde Hitzewellen mit 3–5 Mal mehr Hitzetagen (> 30 °C) und anhaltender Trockenheit zu erwarten. Der Anstieg der Höchsttemperaturen stellt die Gesundheit vulnerabler Personen und die Lebensqualität aller auf die Probe; Wasserknappheit wird auch in der Schweiz zu einem ernsthaften Problem. Folglich sind intelligente Lösungen für den temporären Rückhalt von Regenwasser gefragt.
Der Klimawandel wirkt sich unmittelbar auf die Naturgefahren aus: Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, die sich wiederum in häufigeren und intensiveren Starkregen entlädt und zudem das Potenzial für Stürme verschärft. Schon heute ist jeder zweite Überschwemmungsschaden auf lokalen Starkregen, sogenannten Oberflächenabfluss, und nicht auf ausufernde Bäche, Flüsse und Seen zurückzuführen. Zwei von drei Gebäuden sind dadurch potenziell gefährdet. Das liegt unter anderem an der hohen Versiegelung der Böden: Anfallendes Regenwasser auf Dächern, Plätzen und Verkehrswegen wird noch viel zu oft über Entwässerungseinrichtungen abgeleitet und auf direktem Weg «entsorgt ». Weil das Wasser nicht im Boden und in Pflanzen zwischengespeichert werden kann, fehlt es an heissen Tagen. Im Status quo ist die Schweiz ungenügend an die Auswirkungen des Klimawandels angepasst. Asphalt, Beton, Stahl und Glas heizen Strassen und Gebäude im Sommer unnötig auf. Im Überfluss anfallender Niederschlag bei Starkregen kann nicht versickern, überlastet die Kanalisation und verschärft so das Überschwemmungsrisiko. Nebst der öffentlichen Hand stehen auch Private in der Verantwortung, sich für einen nachhaltigen Umgang mit Regenwasser einzusetzen. Schliesslich tragen auch viele kleine Massnahmen zur Problemlösung bei.
Beim Gebäudeschutz vor Starkregen stehen planerische, bauliche und technische Massnahmen sowie Nutzungsanpassungen im Vordergrund. Sämtliche Gebäudeöffnungen im potenziell überschwemmungsgefährdeten Bereich müssen permanent geschützt sein. Dabei darf man auch Lüftungsöffnungen oder Leitungsdurchführungen nicht vergessen. Zielführend ist beispielsweise die erhöhte Anordnung des Erdgeschosses und seiner Zugänge. Dazu eine Umgebungsgestaltung, die Oberflächenabfluss gezielt um die Gebäude herumleitet und optimalerweise begrünte Versickerungsflächen bietet. Deshalb ist der Blick über Parzellengrenzen hinweg zentral: Wo kommt das Wasser her? Wo kann es versickern oder sich aufstauen? Wo soll es weiterfliessen? Eine einfache Gefahrenübersicht inklusive der «Gefährdungskarte Oberflächenabfluss Schweiz» und konkrete Empfehlungen für den Schutz von Gebäuden bietet die Informationsplattform «Schutz vor Naturgefahren».
Regenwasser kann auf begrünten Flachdächern, in Gärten und auf unversiegelten Plätzen versickern. Zudem lässt es sich fassen und zur Bewässerung oder als Betriebswasser nutzen (z. B. für die Toilettenspülung). Diverse Pionierbeispiele beweisen die Praxistauglichkeit. Damit dieses Konzept einer Schwammstadt zum Erfolg wird, müssen verschiedenste, auch kleine Massnahmen zur Förderung von Versickerung, Wasserrückhalt und dem kontrollierten Durchleiten von Oberflächenabfluss zwischen Gebäuden hindurch kombiniert werden. Insbesondere Letzteres will gut koordiniert sein, auch über Parzellengrenzen hinweg. Dass dabei stets auch der Überlastfall bei Starkregen bewusst mitgedacht wird, dürfte zur allgemeinen Sensibilisierung für Naturgefahren und auch zum Schutz vor Überschwemmungen oder gar deren Vermeidung beitragen.