Anhaltende Hitze, warme Nächte und ein steigender Bedarf an Wasser und Kühlung stellen Gebäude und ihre Bewohnerinnen und Bewohner zunehmend vor Herausforderungen. Für HEV-Präsidentin Patricia von Falkenstein ist klar: Gefordert sind nicht nur Hauseigentümer- und Mieterschaft, sondern auch die Politik. In ihrem Editorial zeigt sie auf, weshalb es neue Rahmenbedingungen braucht – und bringt den «Masterplan Hitzeschutz» mit ins Spiel.
Kaum jemand kann sich an eine derart lang anhaltende Hitzeperiode erinnern, wie wir sie in diesem Sommer erlebt haben. Das bewährte Mittel, die Räume während der Nacht zu durchlüften und damit abzukühlen, reichte vielerorts nicht mehr aus. Die Temperaturen blieben auch nachts hoch.
Wenn wir künftig häufiger mit solchen Sommern rechnen müssen, braucht es neue Antworten. Vieles ist bekannt: Beschattung durch Aussenstoren und Rollläden, begrünte Dächer und Fassaden, begrünte Innenhöfe oder – wo sinnvoll – energieeffiziente Kühlung. Bei ohnehin anstehenden Gebäudesanierungen muss dem sommerlichen Hitzeschutz künftig stärker Rechnung getragen werden.
Doch die Hitze hat eine weitere Konsequenz sichtbar gemacht: Wasser wird zu einer kostbaren Ressource. Zwar verfügt Basel-Stadt dank der Grundwasserreserven vorerst über eine gute Ausgangslage. Trotzdem ist es richtig, den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren und sorgsam mit der Ressource Wasser umzugehen. Regenwasser kann beispielsweise zur Gartenbewässerung genutzt und in Zisternen gesammelt werden. Tropfbewässerung, die frühzeitige Erkennung von Lecks oder ein der Situation angepasster Umgang mit Swimmingpools sind weitere Möglichkeiten.
Gefordert sind dabei nicht nur die Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer. Hitzeschutz und ein sorgsamer Umgang mit Wasser und Energie sind eine gemeinsame Aufgabe. Auch die Mieterschaft muss ihren Beitrag leisten – etwa durch richtiges Lüften, konsequente Beschattung und einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser. Gerade in Mehrfamilienhäusern ist das Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidend.
Auch der Staat muss sich auf neue Situationen einstellen, wie wir sie in diesem Sommer erlebt haben. Dazu gehören einfache und wirksame Rahmenbedingungen für den Umgang mit Hitze und Wasserknappheit.
So sollte die Gebühr für Regen-, Schnee- und Hagelabwasser entfallen, wenn dieses Wasser gesammelt und als Ersatz für Trinkwasser verwendet wird. Wassersparende Sanierungen sowie Beschattungen und Begrünungen von Dächern und Fassaden sollen gefördert werden. Auch für energetische Sanierungen braucht es weiterhin wirksame Förderinstrumente.
Doch es geht nicht nur um Fördergelder. Ebenso wichtig sind einfachere Vorschriften und rasche Bewilligungsverfahren. Bestehende Verbote, etwa für Klimaanlagen, müssen überprüft und dort aufgehoben werden, wo sie angesichts der veränderten klimatischen Bedingungen nicht mehr zeitgemäss sind.
Ein besonderes Augenmerk braucht es bei Mietliegenschaften. Eigentümerinnen und Eigentümer müssen die Möglichkeit haben, Investitionen in Hitzeschutz, Wassersparmassnahmen und Klimaanpassung angemessen auf die Mieterinnen und Mieter zu überwälzen. Die heutige Gesetzgebung lässt dies teilweise nicht zu und kann damit sinnvolle Investitionen bremsen. Hitzeschutz kommt schliesslich nicht nur den Eigentümerinnen und Eigentümern, sondern ganz wesentlich auch den Bewohnerinnen und Bewohnern zugute.
Auch steuerlich braucht es Anpassungen. Nach der Abschaffung des Eigenmietwerts müssen Aufwendungen, die dazu dienen, eine Liegenschaft an veränderte Wetterbedingungen anzupassen, weiterhin steuerlich berücksichtigt werden können. Sonst besteht die Gefahr, dass notwendige Investitionen in Hitzeschutz und einen sorgsamen Umgang mit unseren Trinkwasserreserven verzögert werden.
Dieser unvollständige Überblick zeigt: Die Politik ist gefordert. Warum also nicht einen «Masterplan Hitzeschutz» erarbeiten? Dieser könnte die möglichen Massnahmen gegen Hitze und Wasserknappheit aufzeigen und gleichzeitig festhalten, wie sie einfach und rasch umgesetzt werden können.
Besondere Situationen erfordern besondere Massnahmen. Dass dieser Sommer eine besondere Situation war, dürfte kaum jemand bestreiten. Ebenso wenig, dass die bisherigen Möglichkeiten allein nicht ausreichen, um die Auswirkungen zunehmender Hitze wirkungsvoll abzufedern.
Es ist deshalb Zeit, zu handeln. Ein «Masterplan Hitzeschutz» könnte konkrete Lösungen aufzeigen – bei der Wassernutzung, bei Gebäuden, bei Begrünung und Beschattung, bei Bewilligungsverfahren und bei den notwendigen gesetzlichen Anpassungen.
Dabei darf eines nicht vergessen werden: Hitzeschutz ist keine Aufgabe der Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer allein. Er dient auch und vor allem den Mieterinnen und Mietern. Deshalb müssen die Kosten für entsprechende Massnahmen fair und angemessen verteilt werden.
Es ist zu hoffen, dass diese unvollständige Ideen-Sammlung von der Politik aufgenommen und wo nötig ergänzt wird. Wir vom Hauseigentümerverband Basel-Stadt bleiben am heissen Thema dran!
Patricia von Falkenstein: Nationalrätin & Präsidentin des HEV Basel-Stadt