Beim Rückbau von Gebäuden entsteht ein Gemisch aus verschiedensten Materialien. Neben Mauerwerk, Beton, Schrott und Holz sind es heute vermehrt Verbundstoffe und High-Tech-Materialien. Eine Separation der einzelnen Materialien gestaltet sich immer schwieriger. Um diesen Abfallstrom dennoch in den Baustoffkreislauf zurückzuführen, betreiben die Eberhard Unternehmungen seit 2021 das Aufbereitungszentrum für Bauabfälle EbiMIK in Oberglatt. Das Herzstück der Anlage ist die robotergestützte Sortierstrecke.
Wird ein Gebäude rückgebaut, separiert der Bagger die schweren Betonteile sowie die massiven Anteile von Bausperrgut, Holz und Metall. So entstehen sechs Chargen: Beton- und Mischabbruch, Holz, Altmetalle sowie Bausperrgut brennbar für die Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) und Bausperrgut nicht brennbar zur Deponierung. Der Betonabbruch kann mit der nötigen Infrastruktur immer wieder zu erstklassigem Recyclingbeton aufbereitet werden. Bei den Eberhard Unternehmungen erfolgt dies im BaustoffRecyclingZentrum Ebirec in Rümlang.
Mischabbruch ist einer der anspruchsvollsten Stoffströme, da er neben mineralischen Bestandteilen (wie Beton, Backstein, Kalksandstein, Ziegel) typischerweise auch eine breite Streuung an Fremd- und Störstoffen aufweist und die Zusammensetzung stark objekt- und rückbaubedingt variiert. Seit rund fünf Jahren verarbeitet Eberhard im Aufbereitungszentrum für Bauabfälle EbiMIK in Oberglatt eigenen und fremden Mischabbruch. EbiMIK steht für «Eberhard – Materialien im Kreislauf».
Im Vergleich zu sortenreinem Betonabbruch ist die Aufbereitung von Mischabbruch deutlich aufwendiger. Zum einen müssen Fremdstoffe zuverlässiger und in höherer Vielfalt entfernt werden, zum anderen ist die mineralische Fraktion heterogener. Für eine werterhaltende Aufbereitung sind sowohl die Fremdstoffe als auch die weniger druckfeste Mineralik zu separieren.
Mit diesem Gesamtkonzept ist es möglich rund 90 Prozent der Gebäudesubstanz zu verwerten und in den Baustoffkreislauf zurückzuführen. So können aus alten Gebäuden wieder neue Gebäude entstehen.
Das EbiMIK Anlagenkonzept beginnt mit der Abfallannahme und dem kontrollierten Kippen in einen Aufgabebunker. Die vorgelagerte Grobsortierung erfolgt mit einem fast 100 Tonnen schweren Sennebogen Umschlagbagger mit Elektroantrieb. Dieser entfernt auffällige Störstoffe und sorgt für eine kontinuierliche Beschickung der Brechanlage. Die Grobzerkleinerung erfolgt über einen Sizer (Zweiwalzenbrecher). Dieser verarbeitet Aufgabestückgrössen von bis zu 1200 Millimeter. Das Austragskorn hat eine maximale Stückgrösse von etwa 400 Millimetern. Vor dem Sizer wird der Feinanteil abgesiebt und nach dem Sizer entfernt ein Überbandmagnet Metallteile.
Kern der Anlage ist die robotergestützte Sortierstrecke als definierte Reinigungsstufe für den heterogenen Mischabbruch. Auf zwei Roboterlinien mit jeweils drei Greifarmen werden unerwünschte Bestandteile von der mineralischen Fraktion separiert. Auszusortierende Fremdstoffe sind unter anderem Kunststoffe, Gips, Holz und Leichtmetalle.





Durch die Aufbereitung von Materialien können hochwertige neue Rohstoffe gewonnen werden, die nicht deponiert werden müssen. Gleichzeitig kann die Branche dank immer modernerer Verfahren Schadstoffe gezielt ausschleusen und sortenreine Baustoffe bereitstellen. Besonders erfolgreich ist dies bei Recyclingbeton, Recyclingkies oder Recyclingasphalt. Diese Materialien erfüllen hohe Qualitätsanforderungen und können in zahlreichen Bauprojekten eingesetzt werden. Der Verband Baustoff Kreislauf Schweiz mit Sitz in Bern hat eine entsprechende Anwendungshilfe publiziert.
Der Vorteil des Recyclings liegt darin, dass es direkt an bestehenden Materialströmen ansetzt. Anders als die Wiederverwendung einzelner Bauteile, die oft mit hohen planerischen und logistischen Herausforderungen verbunden ist sowie rechtliche Fragen nach Garantien aufwirft, können grosse Mengen an Baustoffen bereits heute in industriellen Prozessen aufbereitet und erneut bedarfsgerecht genutzt werden.
Die Materialerkennung erfolgt mit einem Kamerasystem und KI-gestützter Bildauswertung. Diese Daten nutzt der Roboter, um die Objekte auf dem Förderband zu detektieren, geometrisch zu lokalisieren und materialbezogen zu klassifizieren. Darauf aufbauend werden die Greifentscheidung sowie die Abwurfbahn zugeordnet. Unter idealen Bedingungen lassen sich Leistungswerte von bis zu 12’000 Picks pro Stunde erreichen. Die Größenordnung für die mechanische Greifsequenz liegt bei einer Bewegungszeit von knapp 2 Sekunden pro Pick. Einzelteile mit bis zu 30 Kilogramm Gewicht können problemlos ausgeschleust werden.
Für die Auslegung auf lange Betriebszeiten ist die Entkopplung von Beschickung und Sortierstrecke wesentlich. Hierzu dient ein vorgelagertes Puffersilo, das Schwankungen in der Materialzufuhr ausgleicht und den Roboterbetrieb flexibel hält.
Bei der werterhaltenden Aufbereitung wird das Inputmaterial in mehrere Stoffströme getrennt. Zum einen werden Fremdstoffe ausgeschleust, unter anderem Gips, Holz, Aluminium/Eisen, Kunststoffe, Kupfer und Elektrokabel. Zum anderen werden hochwertig aufbereitete mineralische Sekundärrohstoffe gewonnen. Produktfraktionen sind unter anderem ein Mischabbruchgranulat und Sand. Das Granulat wird seinerseits in eine Schwermineralik und eine Leichtmineralik aufgetrennt.
Die technische Zielrichtung des Aufbereitungszentrums für Bauabfälle EbiMIK ist die Schliessung von Stoffkreisläufen im Bausektor. Mischabbruch soll nicht auf die Deponie oder ins Downcycling gelangen, sondern als Sekundärrohstoff mit definierter Qualität in den Materialkreislauf zurückgeführt werden. Automatisierte Sortierung trägt dabei zu gleichbleibender Produktqualität und Prozessstabilität bei, insbesondere bei stark schwankenden Inputmaterialien. Zusätzlich löst die Robotik arbeitswirtschaftliche und sicherheitstechnische Herausforderungen: Schwere Teile im Rückbaumaterial können ohne manuelle Eingriffe separiert werden und die Sortierleistung bleibt über lange Betriebszeiten konstant.
Eberhard Bau AG:
Die Eberhard Bau AG ist geschichtlich betrachtet die Ursprungsunternehmung der heutigen Holding. 1954 gründeten die Brüder Heinrich und Rudolf Eberhard die Gebrüder Eberhard, Bagger- und Traxbetrieb. 1987 wurde die Gebrüder Eberhard im Rahmen des Generationenwechsels in die Eberhard Bau AG umfirmiert.
Die Eberhard Bau AG nimmt sich sämtlicher Bauleistungen in den Bereichen Tiefbau, Rückbau, Altlastsanierung, Baurecycling, Baustoffe und Deponie an. Mit Pioniergeist werden hier neue Verfahren und Technologien auf maschineller Ebene entwickelt, um die Bauzeiten und die ökologische wie ökonomische Effizienz stetig zu steigern. Die Aussage: «Für kürzere Bauzeiten» ist das immerwährende Motto der Eberhard Bau AG. Interdisziplinär nutzt sie in optimaler Weise die Leistungen der Schwestergesellschaften.