Das Thema Wohnen beschäftigt die Politik wie selten zuvor

Wenn nicht gerade täglich, so doch wöchentlich finden wir in den Medien Berichte, Interviews, Stellungnahmen oder sonstige Meldungen zum Thema Wohnen. Auch das Schweizer Fernsehen widmete eine Arena-Sendung dem Thema der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt. Steigende Mieten, Wohnungsmangel, bezahlbarer Wohnraum und die Auswirkungen der Zuwanderung wurden in teils hitzigen Wortgefechten diskutiert. Die Debatte über das Wohnen in der Schweiz ist von heftiger Kritik geprägt. Ist das berechtigt?

 

Wenn man die Befindlichkeit der Bevölkerung näher betrachtet, zeigt sich ein anderes Bild. Das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) hat eine repräsentative Bevölkerungsbefragung durchgeführt. Die Resultate, die Anfang des Jahres publiziert worden sind, zeigen, dass eine grosse Mehrheit mit der eigenen Wohnsituation zufrieden ist. Drei von vier Menschen äusserten sich entsprechend. Erwartungsgemäss fiel die Zufriedenheit in gewissen Altersgruppen tiefer aus, nämlich bei den 30- bis 39-Jährigen und den 40- bis 49-Jährigen; sie lag bei 62% bzw. bei 69%. Bei allen anderen untersuchten Altersgruppen zeigten sich Zufriedenheitswerte von mehr als 70% der Befragten. Es lohnt sich, die Resultate dieser Befragung im Internet genauer zu betrachten.

 

Diese Umfrage bestätigt unsere Erfahrung. Die überwiegende Mehrheit der Eigentümerinnen und Eigentümer von Wohngebäuden verhält sich gegenüber der Mieterschaft korrekt. Schade, dass diese Tatsache in den oft wenig differenzierten Diskussionen oder in Statements der Mieterorganisationen nicht erwähnt wird. Es scheint, dass man dort viel lieber die Vermieterinnen und Vermieter als geldgierig oder gar als Abzocker tituliert.

 

Wir als Verantwortliche des Hauseigentümerverbands Basel-Stadt möchten zur Versachlichung der Diskussion beitragen. Sie als Mitglied haben Anspruch auf korrekte Informationen zu diesem wichtigen Thema, welches die meisten von Ihnen betrifft. Wir haben deshalb den Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen, Martin Tschirren, gebeten, uns in diesem Heft Fakten zur aktuellen Lage zu präsentieren. Dieses Bundesamt steht sicher nicht im Verdacht, Interessenpolitik zu betreiben. Die Probleme des Wohnungsmarktes werden vom Bundesamt sehr sorgfältig analysiert. So ist auch eine Studie der ETH angefordert worden, um Fragen zum Thema Neubauten zu beantworten. Insbesondere geht es dabei um die Verdrängungsthematik: Wenn neue Wohnungen dort gebaut werden, wo früher erschwingliche Wohnungen vorhanden waren, bedingt dies Leerkündigungen und den Verlust von günstigem Wohnraum. Wenn aber neue Wohnbauten erstellt werden, ohne dass deswegen alte Häuser mit günstigen Mietpreisen abgerissen werden müssen, wird durch den Bezug einer neuen Wohnung eine alte frei – oft sogar eine weniger teure. Diese Umzugstätigkeit in neu erstelltem Wohnraum kann auch Mietern mit tieferem Einkommen nützen.

 

Bauvorschriften, welche für die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum durch Verdichtung führen, sind das eine. Die Regelung der überrissenen Basler Wohnschutzgesetzgebung ist das andere. Aktuell kann man etwas pointiert formuliert festhalten: Es nützt nichts, wenn die Vorschriften zur Verdichtung liberal sind, gleichzeitig aber die Möglichkeit, eine angemessene Rendite zu erzielen, nicht gegeben ist.

Wenn wir im Kanton in absehbarer Zeit deutlich mehr Wohnungen haben wollen, ist es unumgänglich, die Bedingungen für Investorinnen und Investoren zu verbessern. Auch an dieser Aufgabe werden wir dranbleiben – allerdings wird es leider noch eine Weile dauern, bis sich deutliche Verbesserungen einstellen.

Dominik O. Straumann (Jg. 1966) ist Bauunternehmer und Mitinhaber der Straumann-Hipp AG in Basel. Er engagiert sich seit vielen Jahren politisch und verbandlich für die Anliegen der Hauseigentümer. Seit 2012 ist er Vizepräsident des Hauseigentümerverbands Basel-Stadt, seit 2016 Mitglied des Vorstands des HEV Schweiz und gehört zudem dem Vorstand der FDP Riehen an. Darüber hinaus ist er Altvorgesetzter der E.E. Zunft zu Safran und der E. Gesellschaft der Feuerschützen sowie Ehrenmitglied des Baumeisterverbands der Region Basel.

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