Die Baustoffbranche

Die mineralische Baustoffbranche geht konsequent voran - Die Bauwirtschaft gehört zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftsbereichen und ist bezüglich Nachhaltigkeit entsprechend gefordert. Die mineralische Baustoffbranche zeigt, wie wirkungsvolle Massnahmen gewinnbringend umgesetzt werden können. Noch gilt es, im Markt Vertrauen zu schaffen.

Die mineralische Baustoffbranche hat weniger ein grünes, als ein graues und staubiges Image. Zu Unrecht. Die Herausforderungen bezüglich Nachhaltigkeit sind für die Baubranche vielfältig: Senkung der Treibhausgasemissionen, Verringerung der Deponiemenge, Schaffung von günstigem Wohnraum und qualitativ hochwertiges bauen. Die mineralische Baustoffbranche hat diese Ansprüche ans Bauen schon vor Jahren antizipiert und wirkungsvolle Lösungen entwickelt. Und die Entwicklung schreitet dynamisch voran.

 

Beton ist nicht gleich Beton

Das Bauen mit Beton heute ist mit früher nicht zu vergleichen. Der Baustoff ist variabel geworden und kann heute gezielter und wirkungsvoller eingesetzt werden. Mit Branchenfahrplänen für Zement und Beton werden die Treibhausgasemissionen des mit Abstand wichtigsten Baustoffs der Schweiz in den nächsten Jahren drastisch sinken. Bereits heute sind durch CO2-Begasungen der Produkte sowie neue Beton- und Zementsorten bedeutende Schritte in diese Richtung vollzogen worden. Die Branche propagiert auch eine eigenschaftsbasierte und materialeffiziente Bauweise. So muss nicht jede Anwendung im Bau mit dem Maximalgehalt an Zement umgesetzt werden. Durchdachte Tragstrukturen kommen zudem mit weniger Material aus. Zentral ist bei dieser Bauweise, dass sich Bauherren und Planende frühzeitig mit den Betonherstellern absprechen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

 

Während die Klimaziele in der Politik klar adressiert sind, fehlt diese Klarheit im Bereich der Kreislaufwirtschaft auf Bundesebene noch. Zwar kann der Bundesrat gemäss revidiertem Umweltschutzgesetz neu Vorgaben dazu machen, doch die Umsetzungsverordnung lässt noch auf sich warten. Gegenwärtig produziert die Baubranche rund 25 Mio. Tonnen Baustoffabfälle pro Jahr. Eine Deponieknappheit ist bei dieser Entwicklung absehbar, und umso wichtiger wäre es, die Materialien im Kreislauf zu halten. Zumindest beim Beton (ca. 85%) und beim Stahl (ca. 98%) ist die Zirkularität dank jahrelanger Innovation und Praxiserfahrung heute schon sehr hoch, wie eine Berechnung mit dem neuesten Zirkularitätsindex von C33 und Ecobau zeigt. Andere Baumaterialien wie Holz, Gips oder Glas werden zu früh verbrannt oder deponiert, um eine echte Klima- und Kreislaufwirkung zu erzielen.

 

Im Sinne einer wirkungsvollen Nachhaltigkeit sollen Materialien möglichst lange genutzt, wiederverwendet und am Ende ihrer Lebensdauer in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Im Bauwesen werden dafür verschiedene Strategien diskutiert, darunter die Verlängerung der Nutzungsdauer von Gebäuden, die Wiederverwendung von Bauteilen, das kreislaufgerechte Design sowie das Recycling von Baustoffen. Während alle diese Ansätze wichtig sind, zeigt die Praxis, dass insbesondere das Recycling heute den grössten unmittelbaren Beitrag leisten kann.

 

Warum Recycling der stärkste Hebel ist

Durch die Aufbereitung von Materialien können hochwertige neue Rohstoffe gewonnen werden, die nicht deponiert werden müssen. Gleichzeitig kann die Branche dank immer modernerer Verfahren Schadstoffe gezielt ausschleusen und sortenreine Baustoffe bereitstellen. Besonders erfolgreich ist dies bei Recyclingbeton, Recyclingkies oder Recyclingasphalt. Diese Materialien erfüllen hohe Qualitätsanforderungen und können in zahlreichen Bauprojekten eingesetzt werden. Der Verband Baustoff Kreislauf Schweiz mit Sitz in Bern hat eine entsprechende Anwendungshilfe publiziert.

Der Vorteil des Recyclings liegt darin, dass es direkt an bestehenden Materialströmen ansetzt. Anders als die Wiederverwendung einzelner Bauteile, die oft mit hohen planerischen und logistischen Herausforderungen verbunden ist sowie rechtliche Fragen nach Garantien aufwirft, können grosse Mengen an Baustoffen bereits heute in industriellen Prozessen aufbereitet und erneut bedarfsgerecht genutzt werden.

Primärrohstoff bleibt zentral

Damit Recycling sein volles Potenzial entfalten kann, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Bereits bei der Planung von Gebäuden sollte die spätere Verwertung der Materialien berücksichtigt werden. Eine saubere Trennung der Baustoffe beim Rückbau verbessert die Qualität der gewonnenen Recyclingmaterialien erheblich.

 

Ebenso wichtig ist eine hohe Akzeptanz bei Bauherrschaften, Planenden und Behörden. Zahlreiche Projekte, wie das Kunsthaus in Zürich, zeigen inzwischen, dass Recyclingbaustoffe qualitativ gleichwertige Lösungen bieten. Entscheidend ist daher weniger die technische Machbarkeit als vielmehr die konsequente Umsetzung in der Praxis.

 

Auch die öffentliche Beschaffung spielt dabei eine wichtige Rolle. Wenn Bund, Kantone und Gemeinden den Einsatz von Recyclingbaustoffen im Sinne einer Vorbildfunktion gezielt fördern, entsteht eine stabile Nachfrage, die Investitionen in Aufbereitungsanlagen und innovative Lösungen unterstützt.

Allerdings ist es ein Trugschluss zu glauben, Recyclingbaustoffe könnten die Primärbaustoffe ersetzen und Deponien überflüssig machen. Die Nachfrage nach Baustoffen übersteigt das Angebot an wiederaufbereiteten Materialien deutlich. Auch lassen sich gewisse Baustoffe aufgrund starker Verunreinigung oder zu starrer Materialverbindungen letztlich nur deponieren. Kantone und Gemeinden sind also gefordert, die raumplanerischen Massnahmen zur Versorgungssicherheit der Schweiz mit Baustoffen auch künftig hoch zu gewichten. Dies macht auch aus Nachhaltigkeitsüberlegungen Sinn, da die Schweiz reich an mineralischen Rohstoffen ist und diese regional gewonnen und verarbeitet werden können.

 

Die grösste Wirkung erzielt die Schweizer Bauwirtschaft demnach, wenn sie die aus dem Rückbau anfallenden Baustoffe rasch wiederverwendet und gleichzeitig die regionale Versorgungssicherheit mit Rohstoffen stärkt. Die Branche geht mit Innovationen und Investitionen konsequent voran.

Michael Widmer: Geschäftsführer, Baustoff Kreislauf Schweiz 

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