• Was sich mit dem Saron für Hypothekarkunden ändert

Was sich mit dem Saron für Hypothekarkunden ändert

25.03.2020

Banken und andere Finanzinstitute werden in den nächsten zwei Jahren bei Geldmarkthypotheken sukzessive vom Referenzzins Libor auf den Saron umstellen. Für Hypothekarkunden ergibt sich zwar eine marginale Änderung, bei der man trotzdem gut beraten ist, auf die Details zu achten.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) rät den Finanzdienstleistern bei der Vergabe ihrer Geldmarkthypotheken zügig damit anzufangen, sich vom Referenzzinssatz Libor abzukehren. Denn der Libor wird definitiv nur noch bis Ende 2021 erstellt. Der Libor gibt wieder, zu welchem Zins grosse Banken bereit sind, sich Geld auszuleihen. Auf Basis dieses Zinses werden alle viele Finanzprodukte berechnet.

Libor wird Bedeutung verlieren
Beispielsweise steuerte die SNB lange Jahre mithilfe des Libor ihren Leitzins. In einer anderen Anwendung sind sie auch Basis für Hypothekarzinsen: In der Schweiz werden neben Festhypotheken mit fixem Zins auch Hypotheken angeboten, deren Rate sich eben am Libor orientiert. Bis zu 20 Prozent des Schweizer Hypothekenvolumens basiert auf dem Libor. Weil Banken den Libor mit bewusst falschen Zahlenangaben in der Vergangenheit manipuliert haben, ist er in Verruf gekommen und wird Ende 2021 seine überragende Bedeutung verlieren. In der Schweiz wurde Abhilfe geschaffen: Statt des Libor wird der Saron – «Swiss Average Rate Overnight» – zum Zug kommen. Dieser basiert auf einem Tagessatz, zu dem sich Finanzinstitute in der Schweiz im Refinanzierungsgeschäft (Repo-Markt) Mittel ausleihen. Daher kommt es nicht von ungefähr, dass die SNB den Banken letztes Jahr den Saron offiziell empfahl.

Erste Saron-Hypotheken gibt es schon
Noch sind Saron-Hypotheken eine Rarität. Die UBS hat bisher nach eigenen Angaben schon 2019 zwei Mal an Grosskunden eine Saron-Hypothek verliehen und kündigte an, auf dem Schweizer Referenzzins basierende Hauskredite im Laufe von 2020 auch der Kundschaft generell zugänglich zu machen. Auch Raiffeisen kündigt die Saron- Hypothek für 2020 an. Mit der UBS und Raiffeisen sind damit schon zwei der wichtigsten Anbieter von Hypotheken an Bord. Auch weitere Banken werden den Saron Ende 2020 wohl im Angebot haben. Geht es nach der Vergleichsplattform Hypotheke. ch, können Hypothekarnehmer der Umstellung relativ gelassen entgegensehen: Die Basis der Zinsberechnung ist zwar eine andere, aber die Kunden werden dies nicht gross merken. Denn, wie beobachtet wurde, sind der Libor und der Saron in den vergangenen Monaten de facto gleich verlaufen. Also in etwa dort, wo die SNB die Zinssätze haben will: bei grosso modo – 0,75 Prozent.

Banken geben sich zögerlich
Libor- und Saron-Hypotheken sind so genannte Roll-over-Kredite. Der zugrunde liegende Referenzzins ändert sich laufend, womit sich natürlich auch die Zinszahlung der Kunden immer wieder ändert. Bei der Libor-Hypothek wird der Zins alle drei Monate, seltener auch jeden Monat, alle sechs oder alle zwölf Monate angepasst. Beim Saron ist es etwas komplizierter. Der Schweizer Referenzzins ist ein Tagessatz, und eine Berechnungsgrundlage für Laufzeiten kann von sich aus zunächst nicht so leicht erstellt werden. So müssen sich Banken für eine Methode entscheiden, mit der ein Zins für eine Laufzeit definiert werden kann. Die SNB hat sieben Methoden ermittelt, wie dies geschehen könnte. An Umsetzungsmöglichkeiten fehlt es demnach nicht. Trotzdem tun sich die Banken schwer mit der Umstellung. Doch kann davon ausgegangen werden, dass sie im Lauf des Jahres 2020 bekannt geben werden, wie sie den Wechsel vollziehen werden. Umstellen dürften sie wohl spätestens im Sommer 2021.

Margenausweitung droht
Für die Kunden droht allerding eine Klippe der besonderen Art: Neben den 20 Prozent Geldmarkhypotheken kämen nächstes Jahr vom gesamten Hypothekarvolumen weitere 30 Prozent zur Erneuerung. Also dürften 2021 insgesamt 50 Prozent der Schweizer Hypotheken erneuert werden. Das birgt die Gefahr, dass die Banken dies zum Anlass nehmen, ihre Margen auszuweiten. Geldmarkthypotheken sind für Finanzdienstleister grundsätzlich weniger lukrativ als Festhypotheken. Schon seit einiger Zeit stellen Kunden fest, dass sie mit dem Argument, dass der Libor nicht mehr verwendet werde, zu Festhypotheken gedrängt werden. Die Saron-Einführung wiederum könnte dann bedeuten, dass die vom Zinsgeschäft abhängigen Schweizer Banken dort ihre Einnahmen zulasten des Kunden erhöhen könnten. Um ein gründliches Studieren und Vergleichen der Angebote kommen Käufer von Wohneigentum also auch im anbrechenden Zeitalter des Saron nicht herum.

Quelle: CASH/sda