• Steigende Temperaturen, schmelzende Zinsen, drohender Crash

Steigende Temperaturen, schmelzende Zinsen, drohender Crash

02.08.2019

Obwohl im zweiten Jahr in Folge die Sommertemperaturen alle Erwartungen übertreffen, obwohl wegen der Trockenheit das 1.-August-Feuer vielerorts wieder nicht abgefackelt werden konnte, obwohl bereits grosse Bestände hiesiger Bäume krank sind und wir an deren statt bald mit temperaturresistenteren Palmen rechnen müssen, obwohl sich Eisenbahnschienen ob der Hitze verbiegen und den Bahnverkehr in Bedrängnis bringen und obwohl der Greta-Effekt dennoch noch nicht durchschlägt, mochte ich mit meiner Sommerkolumne nicht auch in den Chor der Klimakritiker einstimmen.

Dies wird von Wissenschaftlern, Politikern und anderweitigen Experten effektiver bewerkstelligt. Wie oft es sich dabei um Fake News handelt – wie von bestimmten Kreisen kolportiert – dies zu beurteilen, bleibt ob der Kopf stehenden Gegebenheiten jedem selbst überlassen.

Unbestritten hingegen ist die Tatsache, dass parallel zur Klimaveränderung Bewegung in die Zinslandschaft gekommen ist. Fast so, als hätten die hohen Temperaturen die Zinsen dahinschmelzen lassen. Angesichts der aktuellen Entwicklung gefällt die Frage, ob wir bald Geld für eine Hypothek bekommen. Denn erste Banken vergeben bereits Negativzinsen auf Hypotheken. In Spezialfällen erst, und nicht an private Schuldner, sondern an Pensionskassen oder Versicherungen, sogenannte institutionelle Anleger mit sehr grossem Finanzierungsbedarf.

Banken müssen auf ihre Barguthaben selbst einen Negativzins von 0,75 Prozent bei der Schweizerischen Nationalbank zahlen. Da ist es verlockend, das Geld anderweitig zu einem Negativzins zu vergeben. Hauptsache, er fällt noch zum Vorteil der Banken aus. Im Grunde sind Negativzinsen auf Hypothekarkredite jedoch eine Spekulation darauf, dass der Immobilienmarkt das wieder herausholt und sich letztlich das entsprechende Kreditrisiko abbaut.

Die Schuldner mögen kurzfristig zwar jubeln, aber Negativzinsen auf Kredite sind alles andere als unproblematisch. Sie heizen den Immobilienmarkt, der sowieso schon blasengefährdet ist, weiter an. Schon heute steht die Schweiz weltweit an der Spitze bei der privaten Haushaltsverschuldung, wobei der Grossteil auf Hypothekarkredite zurückgeht: Mit 129 Prozent des Bruttoinlandprodukts sind die privaten Haushalte in der Schweiz am höchsten verschuldet. Wenn sich die Zinsen dann wieder erhöhen, könnte es nicht nur zu einer Immobilienkrise, sondern auch zu einer Bankenkrise kommen.

Bis aber Private in den Genuss von Negativzinsen kommen, dürfte es, wenn überhaupt, noch eine Zeit dauern. Trotz bereits höchst vorteilhaften Bedingungen bleibt der Schritt ins Eigentum für viele anspruchsvoll. Grund dafür sind die von der Finma vorgegebenen Regeln für die Kreditvergabe: 20 Prozent des Preises als Eigenkapital und davon nur 10 Prozent aus Ersparnissen der beruflichen Vorsorge. Zudem müssen die Kreditkosten auch bei einem Zinssatz von rund 5 Prozent tragbar sein. Da aber ein erheblicher Teil der Hypotheken auf institutionelle Anleger fällt, bleibt zu hoffen, dass es ob der für Banken verlockenden Praxis der inversen Zinsen nicht zu einem Immobiliencrash kommt. Denn wie die Subprime-Krise vor über zehn Jahren gezeigt hat, sind dann nicht nur die klimatischen Temperaturen heiss. Das ganze Sozial- und Finanzgefüge kommt dann nicht mehr aus dem Schwitzen heraus.