• Negativzinsen: Für Sparer brechen die Perspektiven weg

Negativzinsen: Für Sparer brechen die Perspektiven weg

11.02.2020

Immer mehr Banken denken darüber nach, die Schwelle für Negativzinsen zu senken. Während vor fünf Jahren noch die Mehrheit eine Belastung ihrer Sparer ausschloss, wird das nun immer wahrscheinlicher.

Das anhaltende Negativzinsumfeld kommt immer stärker auch bei den Sparern an. Laut einer Studie überlegt sich eine Mehrheit der Schweizer Bankinstitute derzeit, die Vermögensschwelle für die Anwendung von Negativzinsen zu senken. Kategorisch abgelehnt werde eine Weitergabe von Negativzinsen nur noch von 21 Prozent der befragten Banken, heisst es im jüngsten Bankenbarometer des Beratungsunternehmens EY. Nach der Einführung der Negativzinsen durch die Schweizerische Nationalbank im Jahr 2015 hatten noch 70 Prozent der von EY befragten Institute eine Belastung ihrer Sparkunden klar ausgeschlossen. Besonders markant sei das Umdenken bei den Regionalbanken: Nur noch 20 Prozent lehnten die Weitergabe von Negativzinsen ab, nachdem es im Vorjahr noch zwei Drittel der Befragten waren.

Schwellenwert senken

Immerhin gehen die EY-Experten davon aus, dass Kleinkunden mit Guthaben unter 100 000 Franken noch für eine längere Zeit nicht mit Negativzinsen belastet werden. Die Umfrage zeige aber, dass eine Mehrheit der Banken (55 Prozent) eine Senkung des Schwellenwerts für die Anwendung von Negativzinsen in Erwägung zieht. Das war deutlich mehr als im Vorjahr (33 Prozent).

Derzeit warteten viele Banken aber wohl noch auf ein Institut, das sich als «First Mover » vorwage. Generell dürften reine Sparkunden vermehrt einen schweren Stand bei ihrer Bank haben. Eine Mehrheit der Institute bezeichnete (56 Prozent) diese Kundenkategorie mittlerweile als wenig attraktiv, da sich mit ihnen kaum noch Geld verdienen lässt. Entsprechend dürften die Institute versuchen, solchen Kunden zur Anlage ihres Vermögens in Fonds oder Wertschriften zu motivieren. Noch eher Wunschdenken dürften derweil negativ verzinste Hypotheken bleiben: Diese wurden von einer klaren Mehrheit (83 Prozent) der befragten Institute als nicht realistisch erachtet.

Eingetrübte Geschäftsaussichten

Da die im vergangenen Jahr noch erhoffte Normalisierung der Geldpolitik wieder in die Ferne gerückt ist, haben sich auch die Ertragserwartungen der Banken eingetrübt. Heute sei das Umfeld von tiefen Zinsen, tiefen Volatilitäten und einer hohen Unsicherheit geprägt, sagte Schwaller. In diesem Umfeld lasse sich kaum Geld verdienen Zwar erwartet weiterhin eine klare Mehrheit der Banken steigende operative Ergebnisse, dennoch spüren immer mehr Institute den Gegenwind: Immerhin ein Drittel der Banken erwartet nun für die kommenden sechs bis zwölf Monate einen Ergebnisrückgang. Fast schon dramatisch sei der Stimmungseinbruch bei den inlandorientierten Kantonalund Regionalbanken, so EY: So erwarteten nun 44 Prozent (Vorjahr 20 Prozent) der Kantonalbanken und 50 Prozent (Vorjahr 28 Prozent) der Regionalbanken kurzfristig einen Ergebnisrückgang. Auf die mittlere Sicht (ein bis drei Jahre) rechnet bereits eine klare Mehrheit der Kantonalbanken (62 Prozent) und der Regionalbanken (70 Prozent) mit rückläufigen Ergebnissen.

Nachhaltigkeitsthema akzeptiert

An Bedeutung gewonnen hat für die Banken das Thema der nachhaltigen Anlagen, wie die EY-Experten feststellen. So seien sich die Institute weitgehend einig (81 Prozent), dass es sich nicht um einen Hype handelt, sondern dass der Trend zu nachhaltigen Anlagen dauerhaft fortbestehen werde. Vor allem Kantonalbanken, aber auch Privatbanken zeigten sich aufgeschlossen gegenüber der Thematik, während sich Regionalbanken tendenziell noch zurückhielten. Deutlich weniger fortgeschritten ist laut dem Bankenbarometer die Umsetzung dieser Erkenntnisse. So sei das Thema Nachhaltigkeit bei noch nicht einmal einem Drittel der Banken (30 Prozent) ein Pflichtbestandteil des Beratungsprozesses. Nur 9 Prozent der Banken gaben an, die Kunden regelmässig über die Nachhaltigkeit ihres Portfolios zu informieren.

Das EY-Bankenbarometer basiert auf der Befragung von 100 Geschäftsleitungsmitgliedern von Schweizer Banken. Dabei handelt es sich um Privatbanken, Auslandsbanken, Regionalbanken und Kantonalbanken, zudem wurden auch die Schweizer Einheiten der Grossbanken UBS und CS befragt.

(sda)