• Maienbühlhof in Riehen: Investitionen in einen Biobetrieb

Maienbühlhof in Riehen: Investitionen in einen Biobetrieb

14.06.2021

Seit dem 1. Januar 2018 bewirtschaftet eine neues Pächterpaar den gemeindeeigenen Maienbühlhof in Riehen, welchen es auf einen Biobetrieb umgestellt hat. Neben der Anpassung der Bewirtschaftung bedingte dies für die Eigentümerin, die Einwohnergemeinde Riehen, auch verschiedene Investitionen in eine zukunftsfähige und ökologische Landwirtschaft. Der Riehener Einwohnerrat hat im April 2021 einem Investitionskredit über 771 000 Franken für verschiedene bauliche Massnahmen und Anpassungen einstimmig zugestimmt.

Rund ein Viertel des Riehener Gemeindegebiets wird als landwirtschaftliche Fläche genutzt. Sie dient dem Obst- und Rebbau, als Ackerland oder als Naturwiesen und Weiden. Diese vielfältigen Nutzungen prägen das Riehener Landschaftsbild und tragen massgeblich zur Identität als grosses, grünes Dorf bei. In Riehen gab es vor dreissig Jahren noch zwanzig hauptberufliche Landwirtschaftsbetriebe. Heute sind es noch fünf. Da die zu bewirtschaftende Fläche in etwa gleich geblieben ist, bewirtschaftet jeder Haupterwerbsbetrieb im Kanton Basel-Stadt ca. 38 ha. Die Betriebe im Stadtkanton Basel nehmen dabei im Vergleich zu anderen Schweizer Kantonen einen Spitzenplatz ein: Der Kanton Basel-Stadt steht an zweiter Stelle bei der pro Betrieb zu bewirtschaftenden Nutzfläche. Mit der Abnahme der Betriebe im Kanton Basel-Stadt von 21 (2000) auf 12 (2019) nahm auch die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft von 166 (2000) auf 59 (2019) ab. Die zu bearbeitende Nutzfläche nahm jedoch pro Betrieb von 28 ha (2000) auf 38 ha (2019) zu.

Für die Schweizer Landwirtinnen und Landwirte gibt es neben diesem Strukturwandel zukünftig grosse Herausforderungen zu bewältigen, wie beispielsweise das Bevölkerungswachstum, der begrenzte Boden, die Klimaveränderung oder der globale Wettbewerb. Gleichzeitig soll die Versorgungssicherheit und das Kulturland geschützt und die Ressourceneffizienz gesteigert werden.

Seit dem 1. Januar 2018 hat der gemeinde- eigene Maienbühlhof mit der Familie Arni-Karle ein neues Pächterpaar. Zusammen mit dem Paar möchte die Gemeinde Riehen aus dem Maienbühlhof einen zukunftsfähigen Landwirtschaftsbetrieb aufbauen. Mit einer angepassten lokalen Strategie wie der eigenen Herstellung der Produkte, einer hervor- ragenden und ausgewiesenen Bioqualität sowie der Nähe zu den Konsumenten soll dies gelingen. Damit dies zukünftig möglich ist, braucht es zuerst weitere bauliche Massnahmen auf dem Betrieb.

Der Maienbühlhof

Der Maienbühlhof wurde 1844 erbaut. Von 1855 bis 1872 diente er als Anstalt für Alkoholkranke. Nach einem Brand im Jahr 1908 wurde das Bauernhaus 1910 neu gebaut. Die Liegenschaft kam 1951 in den Besitz der Einwohnergemeinde Riehen. Diese liess 1957 eine Getreidescheune errichten und 1976/77 den ganzen Hof inkl. Mehrgenerationen-Wohnhaus neu bauen. 1995/96 wurde der Schweinestall umgebaut und saniert sowie der Rinder- Freilaufstall im Maienbühlhof neu gebaut. Im Jahr 2005 wurde zuletzt der neue Kuhstall mit einer modernen Melk- anlage erstellt. Ende 2017 wurde vor dem Pächterwechsel das Wohnhaus saniert.

Die Gemeinde ist als Eigentümerin verantwortlich für die Investitionen in den Hof und kann dafür die inhaltliche Ausrichtung bestimmen. Deshalb hatte der Einwohnerrat in seinem «Leistungsauftrag Siedlung und Landschaft 2016 bis 2019» dem Gemeinderat vorgegeben, mit dem Pächterwechsel von konventioneller Bewirtschaftung auf biologische Produktion umzustellen. Dabei sollten die Milchproduktion beibehalten und der biologische Betrieb für die Bevölkerung mit Direktvermarktung und Hofaktivitäten geöffnet werden.

Die Umstellung auf Bio

Um die betrieblichen Auswirkungen bei der Umstellung auf Bio abschätzen zu können, wurde beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eine Studie in Auftrag gegeben. Die Studie zeigte auf, dass der Maienbühlhof gute Voraussetzungen für eine Umstellung auf die biologische Landwirtschaft hat. Aufgrund der verschiedenen Anforderungen von Bund und Bio Suisse, wie beispielsweise Ausläufe für die Nutztiere sowie zur besonders freundlichen Tierhaltung, braucht es noch bauliche Anpassungen. Grössere Herausforderungen gibt es im Bereich Pflanzenbau, da ein Biobetrieb keine Herbizide, Fungizide und chemisch-synthetische Dünger einsetzen kann. Umso wichtiger ist es für den Biobetrieb, dass die auf dem Hof anfallenden Nährstoffe in einem Kreislauf wiederverwertet werden können.

Bei der Ausschreibung des Hofes suchte die Gemeinde deshalb ein erfahrenes und motiviertes Pächterpaar, um diese Umstellung mit allen Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Da die landwirtschaftliche Pacht gemäss den bundesrechtlichen Bestimmungen mindestens neun Jahre beträgt, war es für die Gemeinde als Verpächterin deshalb besonders wichtig, eine gute und zukunftsfähige Lösung zu finden.

In Zukunft Rinderaufzucht anstelle der Schweinemast

Nach einer zweijährigen Übergangsfrist ist der Maienbühlhof seit dem 1. Januar 2020 ein Biobetrieb. Um das Bio-Label erhalten zu können, mussten u.a. provisorische bauliche Massnahmen umgesetzt werden. Auf

dem Maienbühlhof braucht es jedoch definitive bauliche Anpassungen, um die Anforderungen des Biostandards vollumfänglich zu erfüllen. Ebenfalls sind noch verschiedene Sanierungsmassnahmen nötig, insbesondere muss der bestehende Mistplatz aus Gewässerschutzgründen saniert werden. Aus betrieblichen Gründen wird der sanierungsbedürftige Schweinestall in einen Aufzuchtstall für vierzig Rinder umgenutzt werden. Denn die Schweinehaltung verursacht grosse Emissionen, und der Betrieb wäre auf Zukauf von teurem biologischem Futtermittel angewiesen, was nicht dem Kreislaufgedanken des Biobetriebs entspricht. Um den bestehenden Milchbetrieb so sinnvoll zu ergänzen, hat der Einwohnerrat nun beschlossen, den Schweinestall in einen Rinderstall umzubauen. Diese Massnahme schafft Synergien zum bestehenden Milchbetrieb und ermöglicht dadurch eine rationellere Bewirtschaftung des Hofs und macht den Maienbühlhof auch für zukünftige Pächter attraktiv. Zudem wird der Mistplatz saniert und den gesetzlichen Bestimmungen angepasst. Die beschlossenen Gesamtkosten belaufen sich auf 771 000 Franken. Für die Anpas- sung des Mistplatzes sowie für den Umbau des Rinderstalls in einen Laufstall für Galtkühe werden 311 000 Franken, für den Umbau des Schweinestalls in einen Jungvieh-Aufzuchtstall 460 000 Franken veranschlagt.

Mit den Massnahmen kann die Zukunft des Maienbühlhofs als gut funktionierender Biobauernhof umgesetzt und gesichert werden.

Sebastian Olloz, Leiter Ortsplanung und Umwelt Riehen