• Liebe Mieter

Liebe Mieter

05.03.2019

Auf den ersten Blick ist alles klar: Der Mieterverband hat für die Mieter gekämpft und einen klaren politischen Sieg errungen: Die vier Mietinitiativen wurden vom Volk deutlich angenommen und werden zurzeit auf dem Verordnungsweg umgesetzt. Doch warum wohl hält sich der Jubel in Grenzen?

Es ist an sich ganz einfach: Die meisten Mieter sind nicht nur Mieter, sondern gleichzeitig Mitglieder einer Pensionskasse, Sparer, oft Mitarbeiter eines KMU oder Rentner. Und als solche sind sie Geschädigte angesichts der zurzeit stattfindenden Umverteilung zulasten der Sparer und zugunsten der Schuldner. Sie beginnen dabei zu realisieren, dass die so hochgelobten Mieterinitiativen mehr als nur einen Pferdefuss haben:

  • Die Zusammenarbeit im Immobilienbereich hat lange partnerschaftlich funktioniert. Diese Zeiten sind wohl vorbei, die Kooperation zwischen Mietern und Investoren beginnt zu bröckeln. Investoren beginnen sich zu fragen, ob vernünftige Erträge im Immobilienbereich überhaupt noch möglich sind. Zugegeben, die Alternativen sind zurzeit auch nicht berauschend, aber das hilft uns auch nicht weiter.
  • Negativbeispiele aus Städten wie Genf oder aus Ländern wie Italien haben uns gezeigt, dass massive Probleme entstehen, wenn das Gleichgewicht zwischen Mietern und Vermietern gestört wird. Leider haben diese Probleme langfristige Auswirkungen. Sie treffen Mieter und Vermieter gleichermassen.
  • Was heisst denn schon «bezahlbare Mieten»? Aus dieser Formulierung entsteht ein reiner Verteilungskampf. Die daraus resultierenden Schwierigkeiten im Immobiliensektor treffen unmittelbar die Vermieter, mittelbar sehr wohl auch die Mieter.
  • Der Schutz älterer Mieter vor Wohnungsverlust ist ein gemeinsames Anliegen. Der Ansatz des Mieterverbandes ist zwar gut gemeint. Aber stimmt auch der einseitig deklarierte Lösungsansatz? Ein Zusammensetzen mit den Eigentümervertretern hätte wohl praktikablere Regeln ermöglicht.

Aber es ist wie so oft: Ist das Kriegsbeil einmal ausgegraben, wird es schwierig. Die einen beklagen den Vertrauensverlust und ziehen sich zurück, die andern haben sich dem Weiterkämpfen verschrieben. Am Schluss entsteht ein Scherbenhaufen, den niemand gewollt hat (und für den niemand bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen). Dies passt zwar leider in die heutige politische Landschaft, aber wir müssen ja nicht notgedrungen jede Dummheit aus den USA unkritisch übernehmen.

Und deshalb zum Schluss ein letzter Aufruf, um Schlimmeres zu verhindern: Liebe Mietervertreter, begrabt das Kriegsbeil in der Erkenntnis, dass Mieter und Vermieter nur partnerschaftlich glücklich werden. Jegliches Ungleichgewicht bringt Probleme mit sich, die wir beide nicht wollen. Und dies würde dazu führen, dass der Kanton Basel-Stadt ein weisser Fleck auf der Landkarte darstellt, den Investoren meiden und dessen Immobilienbestand nötige Renovationen vermissen lässt. Und dann würde uns – leider zu spät – schmerzlich klar, dass die Mieter die Investoren brauchen – und umgekehrt. Aber dann ist es wie gesagt zu spät. Lasst es nicht so weit kommen!