• Gedanken zum Jahreswechsel

Gedanken zum Jahreswechsel

30.11.2018

Dieses Jahr hat das Wetter verrückt gespielt – in unseren Breitengraden meist zu unseren Gunsten. Wir alle haben uns bis vor kurzem über die warmen Temperaturen gefreut. Doch wie meist verläuft unser Leben in Zyklen, nach einem Sommer kommt immer der Winter (und umgekehrt), vergessen wir das nicht. Und zudem: Für die Natur war dieses heisse Wetter purer Stress.

Hoffentlich schlägt sie nicht zurück, denn sie ist letztlich immer stärker. Jetzt steht bereits Weihnachten vor der Tür. Was uns wohl das neue Jahr bringen wird? Vielleicht hilft uns ein Blick zurück (vielleicht auch nicht …):

  • Die wirtschaftliche Entwicklung ist eigentlich erfreulich, auch wenn die Unkenrufe zunehmen und das Pferd «Börse» etwas lahmt und der Bär den Bullen verdrängt.
  • An die Überraschungen aus dem Präsidentenhaus von Amerika haben wir uns schon fast gewöhnt – weil die Ankündigungen regelmässig drastischer sind als deren Umsetzung. Dass dabei die Glaubwürdigkeit des Präsidenten leidet, ist ihm offensichtlich egal.
  • Die Unternehmungen sind unisono daran, die geforderte Digitalisierung in ihren Betrieben zu realisieren. Sie stellen zunehmend fest, dass diese Herausforderung auch eine Chance sein könnte.

Was mir Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass wir die meisten unserer grösseren Probleme vor uns her schieben, statt deren Lösung anzustreben. Beispiele gefällig?

  • Der Brexit droht – nicht erst wegen Nordirland und Gibraltar – zum Perpetuum Mobile zu werden.
  • Während der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine weiterschwelt, steht mit Saudi-Arabien der nächste Konfliktherd an. Auch der ist gar nicht so weit weg von Europa, wie viele denken.
  • Griechenland bleibt (leider) ungelöst: Statt sich zu einer unbequemen Lösung (Stichwort Schuldenschnitt) durchzuringen, hat man den weniger schmerzhaften Weg gewählt: Man tut nichts und hofft auf die Zukunft. Ob sich das rächen wird?
  • Als erster Nachfolger hat sich Italien positioniert, nur ist dort das Problem ungleich grösser. Und auch hier verpasst Europa die Chance, konsequent zu reagieren. Ob sich das rächen wird?

Mir erscheint das Ganze wie eine Mode aus Amerika – den «Black Friday»: Die Verkäufer stellen (erstaunt?) fest, dass die Verkäufe nach dem «Schwarzen Freitag» – nomen est omen – zurückgehen, was bleibt sind die massiven Rabatte, die gewährt wurden. Doch auch die Käufer werden oft nicht glücklich: sie haben zwar ein Schnäppchen erzielt, aber brauchen sie das günstig erworbene Ding wirklich?

Zum Glück ist Weihnachten, neben aller Besinnlichkeit, Freude und Dankbarkeit auch die Zeit der Wunschlisten. Und ich bin ehrlich: Meine Wunschliste an Europa ist gewichtig:

  • Liebe Politiker, die ihr an den Schalthebeln der Macht steht, nehmt all euren Mut zusammen und geht obige Probleme an: In kleinen Schritten zwar, aber immer konsequent in dieselbe Richtung.
  • Und ihr, liebe Wähler, dankt es den mutigen Kandidaten mit eurer Stimme
  • Und ihr, liebe Hauseigentümer, verzeiht mir, dass ich mich am Jahresende nicht mit dem abzuschaffenden Eigenmietwert und der Rettung möglichst vieler steuerlicher Abzüge beschäftigt habe, sondern mit den (vielleicht relevanteren) Fragen zu Europa. Denn wenn wir dort keine Lösungen finden, werden unsere lokalen Probleme sehr schnell Makulatur.

Helmut Hersberger, Euer Präsident