• Frohe Botschaften versenden

Frohe Botschaften versenden

21.12.2022

Milliarden von Weihnachts- und Neujahrskarten werden weltweit jedes Jahr verschickt. Damit zeigen die Absender, Privatpersonen sowie Unternehmen, ihre Wertschätzung für die Empfängerinnen. Das Museum der Kulturen Basel widmet diesem Brauch die diesjährige Weihnachtsausstellung.

Sie sind auch im digitalen Zeitalter zeitgemäss: private und geschäftliche Weihnachts- und Neujahrskarten. Für Unternehmen sind sie ein altbewährtes PR-Instrument zur Stärkung der Kundenbindung und Pflege des Netzwerks. Es ist eine Gelegenheit, Danke zu sagen, aber auch Erfolge zu betonen.

Weihnachtliche Geschäftskarten sind in der Regel vorbedruckt und werden bei wichtigen Beziehungen handschriftlich mit einer persönlichen Grussbotschaft ergänzt. Die Motive beziehen sich meist auf das Unternehmen, reichen aber bis zu Kommentaren zum Zeitgeschehen.

Das Museum der Kulturen Basel (MKB) zeigt in der Ausstellung «Frohe Festtage! Weihnachts- und Neujahrskarten» vielfältige Exemplare aus seiner Sammlung. Es handelt sich um Karten von Schweizer Firmen aus dem frühen 20. Jahrhundert, um Exemplare aus den Niederlanden, aus Ungarn oder Dänemark aus den 1950er- bis 1980er-Jahren sowie Geschäftskarten von Schweizer Museen aus dem letzten Jahr.

Für eine gute und gerechte Zukunft

Die geschäftliche Weihnachtspost macht aber nur einen kleinen Teil der Ausstellung aus. Das Hauptaugenmerk liegt auf den privaten Karten. Hier wird es herrlich nostalgisch und sogar romantisch: Im 19. Jahrhundert schickten sich Liebende etwa reich verzierte Briefe zum neuen Jahr. Rührend der Brief, den der kleine Jakob Gut seinen Eltern zum Jahreswechsel 1820/1821 schrieb. Er endet mit den Worten: «Ihr ganzes musterhaftes Leben soll reich an süsser Wonne sein. Und ich will täglich mich bestreben ganz Ihrer Güte werth zu sein.» Dieses älteste Exponat der Ausstellung zeigt exemplarisch auf, dass mit der Weihnachts- und Neujahrspost durchwegs positive Botschaften verschickt werden. Sie sollen Freude und Hoffnung auf eine gute Zukunft verbreiten.

Welches Gewicht das geschriebene Wort nach wie vor hat, ist laut Kurator Alexander Brust auch aus ethnologischer Sicht sehr interessant. Zudem zeige der Brauch, dass die Karte ein ausgesuchtes Instrument der Beziehungspflege ist. Zumindest einmal im Jahr lassen wir andere wissen, was sie uns bedeuten. Dementsprechend sind die Botschaften eben optimistisch.

Dies selbst in schwierigen Zeiten: etwa während des Ersten Weltkriegs, wie zehn Karten in der Ausstellung bezeugen. Besonders eindrücklich aber sind die Karten von sozialen Organisationen aus Lateinamerika aus den 1980er-Jahren, als die Menschen unter Diktaturen und Bürgerkriegen litten. Sie stellten den Wunsch nach einer friedlicheren und gerechteren Zukunft und nach Solidarität ins Zentrum.

Globale und lokale Motive

Auch die Motive sind einerseits global. Bis heute dominieren religiöse Sujets: die Krippenszene, Engel, der Stern von Bethlehem, Nikolaus oder Weihnachtsbäume. Verbreitet sind daneben idyllische winterliche Landschaften, Abbildungen von bekannten Kunstwerken, stets aktive Kinder und Tiere sowie Kerzen. Andererseits zirkulieren lokale Interpretationen von Motiven, die von den jeweiligen Kulturen, Glaubensvorstellungen und gesellschaftlichen Umständen geprägt sind. In Lateinamerika ist Weihnachten beispielsweise nicht nur ein familiäres Ereignis. Die Kartensujets verweisen darauf, dass Menschen im öffentlichen Raum zusammenkommen und Weihnachten eine kollektive Erfahrung ist. Faszinierend, wie die Darstellung von Maria mit Kind in lokalen Bildsprachen variiert: Karten aus Italien, Rumänien, Ungarn, Japan, China oder Guatemala zeigen die beiden vor landestypischen Landschaften, Siedlungen und Symbolen – etwa vor einer Vulkanlandschaft im guatemaltekischen Hochland.