• Fassadenbegrünung, ein Beitrag zur Klima- anpassung und Artenförderung am eigenen Haus

Fassadenbegrünung, ein Beitrag zur Klima- anpassung und Artenförderung am eigenen Haus

17.11.2022

Durch die aktuelle Diskussion über Massnahmen zur Klimaanpassung an Gebäuden oder zum Erhalt der Biodiversität erhält ein altes Thema wieder grosse Aufmerksamkeit: die Gebäudebegrünung.

An dieser Stelle wenden wir uns der Fassadenbegrünung zu. Darüber wurde in den letzten Jahrzehnten schon mehrfach und ausführlich geschrieben. Zahlreiche Bücher wurden dazu verfasst und das World Wide Web ist voll von wertvollen und weniger wertvollen Informationen. Es gibt zum Thema Fassadenbegrünung auch ausführliche Untersuchungen und Studien, und dennoch lohnt es sich, dieses Thema gerade jetzt und insbesondere für den privaten Bereich wieder einmal aufzunehmen.

Fassadenbegrünung meint die vertikale Begrünung eines Gebäudeteils, in der Regel einer Fassade, einer Wand oder eines Klettergerüstes. Damit eine Fassadenbegrünung gelingt, zur Wirkung kommt und Freude bereitet, müssen eine paar Voraussetzungen erfüllt sein.

Man kann Fassadenbegrünungen vielleicht in vier Gruppen gliedern.

  • Die bodengebundene, vertikale Begrünung mit Pflanzen, welche direkt an der Fassade mit Saugwurzeln oder Haftscheiben haften.
  • Die bodengebundene, vertikale Begrünung, welche an einem Klettergerüst aus Metall oder Holz hochrankt.
  • Die in Pflanzkisten oder Behältnissen gepflanzten, kletternden oder hängenden Gehölzpflanzen, welche mit einem hohen technischen Aufwand mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden müssen.
  • Die saisonalen und damit vergänglichen Begrünungen. Diese eignen sich in der Regel weniger als Fassadenbegrünung, eher vielleicht zur Berankung eines Gerüstes oder einer Veranda im Sommer.

In diesem Beitrag betrachten wir die bodengebundene Fassadenbegrünung, denn es ist die am häufigsten verwendete Form mit Aussicht auf eine erfolgreich und wirkungsvoll begrünte Fassade oder Wand.

Die meisten im Fachhandel erhältlichen Kletterpflanzen sind auf eine Kletterhilfe angewiesen, auf ein Gestell aus an der Fassade oder Mauer befestigten Latten, Drähten oder Mettallgittern. Die Wahl der Tragkonstruktion richtet sich nach dem Bedürfnis der Kletterpflanze, aber auch nach dem zu erwartenden Gewicht, welches die Kletter- pflanze unter Berücksichtigung von Wind und Wetter bildet. Oft werden zu schwache oder zu wenig dauerhafte Konstruktionen gewählt, welche schon nach kurzer Zeit ersetzt oder mitsamt der Kletterpflanze entfernt werden müssen.

Die Wahl der Kletterpflanze richtet sich nach dem Standort am Haus, aber ganz besonders nach der zur Verfügung stehenden Fläche, welche begrünt werden soll. Ebenso muss berücksichtigt werden, dass das zu erwartende Volumen der Pflanze an der Fassade einen entsprechenden Wurzelraum im Boden erfordert. Hier wird oft unterschätzt, dass eine grosse Kletterpflanze auch einen grossen Wurzelraum in gutem, mit Wasser und Nährstoffen versorgten Boden beansprucht.

Kletterpflanzen brauchen eine professionelle Pflege. Einzelne Pflanzen müssen jedes Jahr geschnitten oder begrenzt, ausgerichtet und am Klettergerüst neu angebunden werden, was in einer gewissen Fassadenhöhe auch die entsprechenden Leitern oder Hebebühnen voraussetzt. Diese Gruppe ist verhältnismässig gross. Es gibt zahlreiche Pflanzen, welche auf unterschiedlich grossen Flächen und bei unterschiedlicher Ausrichtung der Fassade zur Sonne verwendet werden können.

An dieser Stelle sei auch an die Spaliergehölze erinnert. Im ländlichen Raum war es üblich, Obstbäume wie Äpfel, Birnen oder Sauerkirschen als Spalierobst an den Fassaden hochzuziehen. Diese alte Technik ist etwas in Vergessenheit geraten, sollte aber als Möglichkeit zur Fassadenbegrünung immer auch erwogen werden, und dabei können neben Obstbäumen auch andere Bäume, wie Linden verwendet werden. Spalierpflanzen tragen sich in der Regel selber, sind aber dennoch auf eine Anbindvorrichtung und einen jährlichen Schnitt als Massnahme zur Verjüngung und Lenkung angewiesen.

Die Gruppe der Kletterpflanzen, welche sich mit Haftwurzeln oder Haftscheiben ohne Kletterhilfe an der Fassade festhalten – sie werden auch Selbstklimmer genannt – ist etwas kleiner. Wir kennen beispielsweise Wil- den Wein, Efeu und Kletterhortensien. Bei diesen Pflanzen ist stehst zu bedenken, dass

für deren Verwendung ein stabiler Haftgrund nötig ist und dass diese Pflanzen bei Rückschnitt oder Entfernung Haftwurzeln oder Haftscheiben zurücklassen, welche dann mit einem gewissen Aufwand entfernt werden müssen.

Um den ökologischen Wert einer Fassadenbegrünung zur Förderung der Artenviel- fallt zu steigern, können auch verschieden Pflanzen kombiniert werden, Kulturvarietäten mit einheimische Arten, wie Waldreben (einheimische Clematisarten) und Wildrosen.

Gelegentlich werden Vorbehalte laut, Fassadenbegrünungen würden Insekten, Eidechsen oder Mäuse in Haus locken. Das kann im Einzelfall zwar nicht ausgeschlossen werden, ist aber, gemessen an den vielen positiven Effekten einer üppigen Fassadenbegrünung, zu vernachlässigen. Fassadenbegrünungen, tragen im Sommer wesentlich zur Kühlung einer Fassade bei oder können bei immergrünen Pflanzen (Efeu) im Winter auch isolierend wirken. Fassadenbegrünungen können einem Haus einen besonderen, ästhetischen Ausdruck verleihen und sind bei entsprechender Pflanzenauswahl auch mit einem vertretbaren Aufwand zu pflegen.

Es empfiehlt sich in jedem Fall, einen anerkannten Gartenbaubetrieb beizuziehen, Vornehmer Ausdruck einer mit wildem Wein begrünten Stadtvilla in Saint-Émilion, Frankreich um die richtige Pflanzenwahl zu treffen und auch gerade bei der Wahl eines geeigneten und tragfähigen Klettergerüsts behilflich zu sein. Unsachgemässe Kletterhilfen und für den jeweiligen Fall ungeeignete Kletterpflanzen können auch zu Bauschäden führen.

Professionell ausgeführte und gut gepflegte Fassadenbegrünungen geben einem Haus eine unverwechselbare und positive Ausstrahlung.