• Durch die Hintertür zu höheren Baukosten

Durch die Hintertür zu höheren Baukosten

11.04.2019

Bei Neubauten gilt seit Jahren, dass eine Baubewilligung nur erteilt wird, wenn die bezüglich Erdbebensicherheit geltenden Normen eingehalten werden. Der Merhkostenaufwand beträgt ca. 1 bis 5%, was durchaus tragbar und vernünftig ist.

Das vom schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein im Jahr 2004 publizierte Merkblatt SIA2018 mit dem vielsagenden Titel «Überprüfung der Sicherheit bestehender Gebäude bezüglich Erdbeben» wurde durch die im Titel nüchtern formulierte und 56 Seiten umfassende SIA-Norm 269/8 «Erhaltung von Tragwerken – Erdbeben» per Dezember 2017 abgelöst.

Da wir in der Region Basel in der am zweithöchsten klassierten Erdbebenzone «3a» leben, ist das Thema Erdbeben für uns sehr von Belang.

Mit Einführung dieser überarbeiteten SIA- Norm ist seit Kurzem im Kanton Basel-Stadt die Pflicht entstanden, dass bei Sanierungen und Umbauten, deren Kosten mehr 10% der Gebäudeversicherungssumme resp. mehr als eine Million Franken betragen, ein Nachweis in Bezug auf die Erdbebensicherheit der Liegenschaft erbracht werden muss.

Bringt diese von einem ausgewiesenen Fachmann auszuführende Erdbebenabklärung das Resultat, dass die Liegenschaft den Mindestanforderungen (α min.) nicht genügt, so sind mindestens Massnahmen zwingend zu treffen, damit diese Mindestanforderungen erfüllt werden. Dies heisst aber nicht unbedingt und zwangsläufig, dass damit die heutigen Normen erfüllt sein müssen. Dennoch führt diese Norm automatisch bei einer geplanten baulichen Veränderung im oben erwähnten Rahmen zur Verteuerung und zu Verzögerun- gen des eigentlichen Vorhabens.

Es ist sehr wohl dem Bauherrn überlassen, ob er seine Ursprungsidee, verteuert und verzögert durch allfällige Erdbebenmassnahmen, wirklich in die Tat umsetzen will. Ich äussere starke Bedenken, dass manches Bauvorhaben, sowohl von Privatpersonen wie auch institutionellen Immobilienbesitzern, z.B. Pensionskassen oder Wohnbaugenossenschaften, zukünftig nicht so rasch – wenn überhaupt – realisiert wird. Ferner befürchte ich daraus einen Unterhalts- und Investitionsstau, welcher die Wohnqualität der Mieter nicht verbessern wird. Und da springt die Katze aus dem Sack. Entweder wir verteuern weiter die baulichen Massnahmen und somit im möglichen Kostenüberwälzungsmoment die Mieten – welche Pensionskasse kann es sich im aktuellen Anlagenotstand leisten, auch auf den Immobilien keine Rendite zur Verzinsung der Alters- und Sparguthabenguthaben zu erzielen? – oder die Liegenschaft bleibt in dem Zustand, wie sie ist. Und dies vielleicht auf Jahre hinaus. Im Kanton Aargau darf man von staatlicher Seite immerhin aus der Publikation des Departements Bau, Verkehr und Umwelt, Abt. Umwelt, in einer «Begleitpublikation» zur SIA-Norm 269/8 entnehmen, dass ein Resultat bei Überprüfung gemäss SIA-Norm, eine ungenügende Erbebensicherheit eines Gebäudes bis auf Weiteres akzeptiert werden müsse, wenn im Rahmen des Bauvorhabens keine verhältnismässigen Massnahmen umsetzbar seien. Jedoch steht der Eigentümer weiterhin in der Pflicht, die verhältnismässige Verbesserung der Erdbebensicherheit zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen des Erneuerungszyklus erneut zu beurteilen.

Eine solche Publikation wird der Stadtbasler Bevölkerung bis dato vorenthalten, und diese Änderungen bei der Baubewilligung wurden unseres Wissens nicht aktiv publiziert oder sonst wie der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht. Denn dieser basel-städtischen Neuerung kommt man nur auf die Schliche, wenn man das Formular für die Einreichung des Baubegehrens resp. den Anhang A Seite 3 unten durchsieht und entsprechende Unter- lagen einzureichen hat. Warum wurde dies nicht offen kommuniziert?