• Aktuelle Zinspolitik: Fluch oder Segen?

Aktuelle Zinspolitik: Fluch oder Segen?

11.02.2020

Ihrem Mandat entsprechend, die Preisstabilität in der Schweiz zu gewährleisten, kündigte die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Dezember 2014 einen Negativzins von –0,25 Prozent an. Im darauffolgenden Januar wurde der Mindestkurs von CHF 1.20 zum Euro aufgehoben und der Negativzins um weitere 0,5 Prozentpunkte auf –0,75 Prozent gesenkt. Diese Massnahmen wurden ergriffen, um den Schweizer Franken im Vergleich zu anderen Währungen unattraktiv zu machen und eine Aufwertung abzuwenden.

Negativzinsen haben Auswirkungen auf den Hypothekarzins, welcher zurzeit in einem historischen Tief verharrt. Gewisse Auguren meinen, die Niedrigzinsphase hält noch gut zehn Jahre an. Andererseits gibt es schleichende Anzeichen für einen Anstieg der Hypothekarzinsen. Möglich ist, dass die realen, also um die Inflationsrate bereinigten, Zinsen in den nächsten fünf Jahren um ein oder zwei Prozentpunkte steigen. Die Märkte sehen das allerdings anders. Sie glauben, dass die Zinsen auf ewig niedrig bleiben. Die Entwicklung hängt im Wesentlichen von der globalen Wirtschaftslage und der Finanzmarktsituation ab. Dabei muss aber auch berücksichtigt werden, dass die Zinsen unabhängig von der Geldpolitik aufgrund der demografischen Entwicklung und einer tieferen Produktivität stark gesunken sind. Wie weit nebst institutionellen Investoren auch Private, deren Satz im Durchschnitt bei 1 Prozent verharrt, in den Genuss von Negativzinsen auf Hypotheken kommen, bleibt den einzelnen Banken überlassen.

Die Kehrseite der Medaille betrifft die Sparer, die mit der aktuellen Zinspolitik faktisch enteignet werden. Negativzinsen machen das Sparen unattraktiv. Spareinlagen werden umgeschichtet – etwa in Wertpapiere oder – im grösseren Stil – in Immobilien. Wer nun aber glaubt, dass diese Praxis zu einer Verknappung des Angebots führt, wird eines Besseren belehrt. Laut SNB kann die vermutete Verknappung nicht festgestellt werden. Im Gegenteil; in den letzten Jahren ist die Sparquote in der Schweiz tendenziell gestiegen. Ausserdem könnten die Banken – falls sie tatsächlich zu wenig Kapital hätten – derzeit Fremdkapital zu Negativzinsen aufnehmen oder den Sparern einen Zins zahlen, um an mehr Kapital zu kommen.

Viele Menschen halten die Zentralbanken für die Übeltäter, aber das ist kompletter Unfug. Wenn ihre Geldpolitik für den ultraniedrigen Realzins verantwortlich wäre, müsste die Inflation anziehen. Die Inflationsrate liegt aber konstant unter dem Zielwert, es müssen also andere Gründe ausschlaggebend sein. Eine baldige Aufhebung der Negativzinsen würde aus heutiger Sicht in einer starken Aufwertung des Schweizer Frankens resultieren. Es bestünde die Gefahr, dass die Schweiz in eine Rezession rutschen und somit die Arbeitslosigkeit anziehen würde. Ausschlaggebend ist, aus welcher Optik die aktuelle Zinspolitik betrachtet wird. – Die Frage bleibt: Fluch oder Segen?

In eigener Sache Der HEV Basel-Stadt hat sein Versprechen eingelöst: Ab der vorliegenden Ausgabe von «Der Haubesitzer» erfolgt der Versand folienfrei. Es freut uns, dem Ruf der Zeit zu entsprechen und für den Umweltschutz einen Beitrag leisten zu können.