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Ein Eigenheim ist grundsätzlich eine gute Altersvorsorge

11.10.2017    

Nach der Pensionierung hat man endlich Zeit, sein Eigenheim richtig zu geniessen.

Damit dieser Genuss ungetrübt ist, muss auch die Hypothek im Alter tragbar bleiben. Gilberto Bisonni, Leiter Finanzplanung bei der Basler Kantonalbank, erklärt im Interview, was es hierbei zu beachten gilt.

Gilberto Bisonni, was muss ich tun, damit mein Eigenheim auch nach der Pensionierung langfristig tragbar bleibt?
Wichtig ist, dass Sie sich rechtzeitig einen Überblick verschaffen, wie Ihre finanzielle Situation bei der Pensionierung aussehen wird. Deshalb überprüfen wir bei der BKB die Tragbarkeit im Rentenalter sowohl bei Kundinnen und Kunden ab dem 50. Lebensjahr wie auch bei denjenigen, die für die Finanzierung der Liegenschaft Pensionskassengelder vorbeziehen. So lassen sich unliebsame Überraschungen im dritten Lebensabschnitt von Beginn an vermeiden.

Welche Fragen klären Sie im Rahmen der persönlichen Beratung?
In erster Linie stellen wir die Hypothekarhöhe und Ihre künftigen Renteneinkommen einander gegenüber. Die kalkulatorische Zinsbelastung von 4,5 % und die Unterhaltskosten von 1 % des Verkehrswerts dürfen nicht höher als 34% (< CHF 100 000) bzw. 38 % (> CHF 100 000) Ihrer Renteneinkommen sein. Falls Sie zusätzliche Amortisationen leisten sollten, weisen wir Sie rechtzeitig darauf hin. Im Rahmen einer detaillierten und frühzeitigen Finanzplanung spätestens ab dem 50. Lebensjahr können wir zudem existenzgefährdende Ereignisse erkennen und diese im Idealfall beseitigen.

Welchen weiteren Faktoren schenkt die BKB im Rahmen der Beratung besondere Beachtung?
Unter anderem beleuchten wir, ob die Tragbarkeit im Todesfall der Lebenspartnerin bzw. des Lebenspartners noch gegeben ist. Wir zeigen auf, was zu tun ist, damit der überlebende Partner im Eigenheim wohnen bleiben kann. Hierbei macht es auch Sinn, die gesamte Vorsorgesituation zu analysieren. Beispielsweise stellt sich die Frage, ob der Versicherungsschutz auch bei Invalidität oder Tod ausreicht. Oder wie man seinen Lebenspartner optimal begünstigen kann.

Ob Wohnung oder Haus – inwieweit ist ein Eigenheim überhaupt eine gute Altersvorsorge?Ein Eigenheim ist grundsätzlich eine gute Altersvorsorge. Jedoch spielen Faktoren wie die Lage sowie der Zustand der Immobilie und das Verhältnis zwischen mobilen (Kontoguthaben, Wertschriften etc.) und immobilen Vermögen eine wesentliche Rolle. Damit der Wert der Immobilie auch im Rentenalter erhalten bleibt, sind regelmässige Investitionen notwendig. Somit sollten genügend Reserven berücksichtigt werden. Bei Bedarf kann die Liegenschaft natürlich auch verkauft werden. Diese Entscheidung sollte jedoch nicht unter Druck gefällt werden, da der Verkaufspreis dann erfahrungsgemäss viel tiefer ist.

Welchen Einfluss haben die sich häufig verändernden Immobilienpreise auf die Tragbarkeit?
Es gibt zwei mögliche Szenarien. Wenn die Preise steigen, sinkt der Belehnungsgrad. Die Tragbarkeit kann sich dann durch die Unterhaltskosten erhöhen. Sinken die Preise hingegen, steigt der Belehnungsgrad, sodass der Kreditgeber zusätzliche Amortisationen verlangen kann.

Ist es möglich, die Hypothek nach der Pensionierung zu erhöhen?
Grundsätzlich ist das möglich. Es bleibt jedoch dabei, dass die kalkulatorische Zinsbelastung und die Unterhaltskosten nicht mehr als 34 % (< CHF 100 000) bzw. 38 % (> CHF 100 000) des Renteneinkommens betragen dürfen. Insgesamt darf die Hypothekarhöhe nicht grösser als 66 2/3 % des Verkehrswertes der Bank sein.

Ein Haus ist mit einem spürbar grösseren Aufwand verbunden. Lohnt sich ein Verkauf im Alter zugunsten einer Eigentumswohnung?
Im Einzelfall kann dies durchaus Sinn machen. Die Bedingungen für den Kauf einer Wohnung sind allerdings genau gleich wie bei einem Hauskauf. Mit anderen Worten: Die Tragbarkeit muss gegeben sein. Hinzu kommen noch allfällige laufende Festhypotheken, die je nach Marktlage entweder übernommen oder zurückbezahlt bzw. mit dem Verkaufspreis verrechnet werden.